Aortenerkrankungen - Eine medizinische Herausforderung

Erkrankungen der Aorta können zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie zum Beispiel einer Dissektion oder eine Ruptur der Aorta, führen. Abdominelle und thorakale Aortenaneurysmen treten sowohl sporadisch als auch im Rahmen von genetischen Erkrankten wie dem Marfan-Syndrom auf. Trotz unterschiedlicher Ursachen verursachen sie ähnliche Symptome. Insbesondere das Fehlen spezifischer medikamentöser Therapieoptionen verdeutlichen die dringende Notwendigkeit grundlagenwissenschaftlicher und translationaler Forschung auf diesem Gebiet.

Ein Aortenaneurysma ist eine fortschreitende, potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Beim Abdominellen Aortenaneurysma (AAA) führen  zelluläre Schäden und Entzündungen zur Degradation der extrazellulären Matrix (ECM) und zur Dilatation der Gefäßwand, was zu Dissektionen und Rupturen der Aorta führen kann. Atherosklerotische Veränderungen sind häufig in den Wänden von AAA-Patienten zu finden. Spezifische medikamentöse Therapien fehlen bislang, obwohl Inflammation, Leukozyteninfiltration, oxidativer Stress und zelluläre Matrix-Degradation als zentrale Faktoren anerkannt sind. Risikofaktoren sind Alter, Fettleibigkeit, Rauchen und Diabetes. Weltweit lag die altersstandardisierte Sterblichkeitsrate durch Aortenaneurysmen 2017 bei 2,19 pro 100.000 Personen, wobei Männer den Großteil der Fälle ausmachten. Bevölkerungsbasierte Screening-Programme und chirurgische Eingriffe haben die Morbidität und Mortalität gesenkt, sind jedoch weiterhin unzureichend.

Marfan-Syndrom 

Das Marfan-Syndrom, der vaskuläre Prototyp einer Erbkrankheit, mit einer Prävalenz von etwa 1:5.000, verursacht durch Mutationen im Fibrillin-1-Gen (FBN1), erhöht ebenfalls die Anfälligkeit für Aortenaneurysmen und Dissektionen. Hierbei führen strukturelle Defekte in der ECM und gestörte Signaltransduktionen bestimmter Wachstumsfaktoren zur Schwächung der Aortenwand. Weitere angeborene Bindegewebserkrankungen, die ähnliche vaskuläre Komplikationen verursachen können, umfassen das Ehlers-Danlos-Syndrom und das Loeys-Dietz-Syndrom. Zu den vaskulären Komplikationen dieser Erkrankungen zählen Aortenaneurysmen, Aortendissektionen, Arterienrupturen und die Ausweitung oder Verengung anderer großer Blutgefäße.

Forschung und Therapie 

Ziel dieses Forschungskonsortiums ist es nun, neue therapeutische Ansätze zu entwickeln, um das Fortschreiten und die Komplikationen von Aortenerkrankungen in Zukunft zu verhindern und effektiver zu behandeln. Klinische und grundlagenwissenschaftliche Arbeitsgruppen arbeiten zusammen mit dem Ziel, pathophysiologische Prozesse und Risikofaktoren zu untersuchen, um innovative, zum Beispiel genbasierter oder anti-inflammatorische Behandlungsstrategien zu entwickeln und die Versorgung und Prognose der Patienten zu verbessern.